24. Dez 2022

Ensemble ist zurück - Krippenfiguren aus Herz-Jesu Espeln restauriert

Fehlende Finger, abgeplatzte Gewänder – die Krippenfiguren der Kirchengemeinde Espeln waren sprichwörtlich in die Jahre gekommen. Auf Initiative der Espelner Ortsausschussmitglieder Bernadette Bröckling sowie Rita und Marita Austermeier beschloss der Kirchenvorstand Herz-Jesu Espeln deshalb, sie wieder instand setzen zu lassen.

Jesuskind
Jesuskind

Die 17 Figuren rund um das Jesuskind wurden von der Holzbildhauerin und Restauratorin Brigitte Schröder in Beckum fachkundig aufgearbeitet. Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Ortsausschusses Espeln hatten die Gelegenheit, sich über den Fortschritt der Arbeiten zu Informieren. Pünktlich zum anstehenden Weihnachtsfest sollen die Figuren ihren Platz in der Espelner Krippe wieder einnehmen können.

Das Besondere an den 110 Jahre alten Krippenfiguren, die bis zu 85 cm hoch sind, ist sowohl ihr Material als auch ihre Beschaffenheit: Sie sind aus Gips gegossen und tragen teilweise noch die originale, bunte Bemalung. Fachleute sprechen von einer polychromen Originalfassung. Weil beim Aufstellen der Figuren, genau wie beim Ein- und Auspacken, schon mal ein kleines Unglück passiert, lassen sich Abplatzungen im Sockelbereich oder an den Gewandrändern über so viele Jahre hinweg nicht vermeiden. Gips, das kommt erschwerend hinzu, ist ein recht empfindliches Material.

Dr. Bettina Heine-Hippler ist beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe im Denkmalschutz tätig. Sie beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Krippen und hat auch den Espelner Kirchenvorstand beraten. Wertvoll im Sinne von „kostbar“ sind die Espelner Krippenfiguren aus Gips nicht. Dennoch lohnt sich die Restaurierung und Konservierung, denn sie befanden sich bis auf kleine Übermalungen im Originalzustand, waren vollzählig und sie sind Kulturgut. „Mit den Figuren sind wir Espelner Kinder groß geworden“, sagt Uli Hermbusche, Vorsitzender des Espelner Kirchenvorstandes. „Wir haben sie unseren Kindern gezeigt und erklärt. Und die werden irgendwann mit ihren eigenen Kindern in die Kirche gehen, um sie zu betrachten.“

Brigitte Schröder erklärte in ihrem Atelier die Restaurierungsschritte. Zunächst wurden die Figuren mit speziellen Chemikalien gereinigt. Dabei stellte sie fest, dass auch die Espelner Figuren zum Teil übermalt worden sind. Anhand der Farbbeschaffenheit konnte sie die Übermalungen auf die 80er Jahre datieren. Nach der zeitintensiven Reinigung restaurierte die Fachfrau die Abplatzungen und rekonstruierte mit einer speziellen Gips-Leimmischung fehlende Gliedmaßen. So musste sie auch Finger an der Hand des Jesuskindes neu modellieren. Danach wurden die Fehlstellen beigeschliffen und mit Originalfarben retuschiert. Abschließend werden alle Krippenfiguren eine Behandlung mit Firnis, einer Art Farbauffrischer, erhalten, bevor sie mit einem Abschlusslack den letzten Glanz bekommen, der gleichzeitig konservierende Wirkung hat.


Patenschaften möglich

Krippen sind die figürliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte. Sie sind ursprünglich in der Zeit entstanden, in der nur sehr wenige Menschen lesen konnten. Die Espelner Krippenfiguren, kurz vor dem ersten Weltkrieg in der Blütezeit der Gipsfigurenindustrie erstellt, sind - wie alle Gipsprodukte - seriell entstanden und ihrer Größe wegen auch schon immer für die Kirche und nicht etwa für einen Privathaushalt gedacht. 

Die Haltung der Figuren, ihr Gesichtsausdruck und die Falten in den Gewändern sind im neugotischen Stil gestaltet, ein auf die Gotik zurückgreifender historistischer Kunststil des 19. Jahrhunderts. Um die Finanzierung von Restaurierung und Konservierung aller Krippenfiguren zu bewerkstelligen, haben die Espelner deshalb Patenschaften angeboten. „Wir wollten den persönlichen Bezug zu den Figuren herstellen und unsere Gemeindemitglieder auch emotional mitnehmen“, erklärt Uli Hermbusche. 

So hat z.B. die katholische Frauengemeinschaft die Patenschaft für Maria übernommen. Auch Josef hat eine große Gemeinschaft hinter sich: den Bürgerverein Espeln. „Wir freuen uns und sind unseren Unterstützern dankbar, dass wir einen großen Teil der Kosten über Patenschaften abdecken können. Jetzt werden noch Holzsockel gefertigt, die den Figuren eine größere Standfläche und damit mehr Sicherheit geben. Das Anliegen der Espelner ist klar: „Damit sie uns im Advent mindestens weitere 110 Jahre begleiten können.“

Text: Almut Thöring, Foto: Brigitte Schröder

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