06. Aug 2022

Risikoanalyse in Sudhagen - Prüfung kirchlicher Räume erfolgreich

Delbrück-Sudhagen. Sieben Personen unterschiedlichen Alters haben sich an diesem Abend vor dem Pfarrheim in Sudhagen versammelt, Männer wie Frauen. Sie führen als erste Kirchengemeinde im hiesigen Pastoralverbund eine Risikoanalyse durch: auf dem Außengelände, im Pfarrheim und in der Kirche. Das hört sich an, als würde nach technischen Mängeln gesucht. Es geht aber um etwas anderes, nicht minder Wichtiges. Das Thema Prävention, die Vorbeugung von Missbrauch, steht derzeit in allen Kirchengemeinden im Pastoralverbund Delbrück-Hövelhof im Fokus.

Das Prüfungsteam für die Risikoanalyse in Sudhagen
Das Prüfungsteam für die Risikoanalyse in Sudhagen
(v.l.): Angelika Wiesing, Leo Bader, Daniel Lobbenmeier, Marianne Lobbenmeier, Andreas Stratmann, Finja Franzsander und Ina Meiwes.
© Almut Thöring

Dazu gehört auch die Überprüfung von Räumen. Risiken sollen so erkannt und abgestellt werden, um so möglichen Missbrauch zu verhindern, bevor er überhaupt stattfinden könnte. Dazu bedarf es guter Information, geeigneten wie geschulten Personals und auch fest geregelter Meldewege sowie eines funktionierenden Beratungsnetzwerks. Auf vielen Ebenen muss der Sachstand geprüft und künftig regelmäßig kontrolliert werden. Wie sicher sich Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene in den kirchlichen Gebäuden fühlen können, stand deshalb in Sudhagen auf der Tagesordnung.

Mit Checkliste prüfen

Damit in allen Kirchengemeinden bei der Prüfung möglichst nichts vergessen wird, gibt es eine Checkliste. Sie dient den Ehrenamtlichen als Hilfestellung. So auch dem Team in Sudhagen, das mit prüfenden Blicken alle Räume begutachtet. Finja Franzsander, 15, und Ina Meiwes, 14 Jahre alt, sind die jüngsten Teilnehmerinnen. Die beiden sind seit 2016 als Messdienerinnen in ihrer Kirchengemeinde aktiv. Daniel Lobbenmeier, 42 Jahre, ist für die Behindertenvertretung mit dabei. Seine Mutter Marianne führt als Seniorin auf dem Rollator ihr Sauerstoff-Gerät mit. Leo Bader, Angelika Wiesing und Andreas Stratmann sind als Vertreter des Kirchenvorstands und Gesamtpfarrgemeinderates mit von der Partie.

Es wird alles protokolliert
Es wird alles protokolliert
Die Messdienerinnen Finja Franzsander (links) und Ina Meiwes tragen die Prüfergebnisse für die Risikoanalyse in die Checkliste ein. Sie haben dafür im großen Saal des Pfarrheims auf einer der Fensterbänke Platz genommen.
© Almut Thöring

Transparent: Viele Glasausschnitte

Schon der Eingang ins Sudhagener Pfarrheim ist barrierefrei mit einer Rampe zugänglich. Der Außenbereich von Kirche und Pfarrheim war erst jüngst neu gestaltet worden. Daniel und Marianne Lobbenmeier sind schnell und sicher durch die Tür. „Hier könnten noch Haken für die Jacken an die Garderobe“, regt Marianne Lobbenmeier an. „Wer einen Rollator mit sich führt, hat keine Hände für das Bedienen eines Kleiderbügels frei“. „Das können wir nachrüsten“, sagt Andreas Stratmann und nickt. Hell und freundlich ist der Eingangsbereich. Das macht der Glasausschnitt in der Tür. Der Flur ist übersichtlich und ohne dunkle Nischen, die Zimmertüren sind hell furniert. Gleich links geht es in den großen Saal, der von zwei Seiten durch die Fenster mit natürlichem Tageslicht beleuchtet wird. Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, Kaffeetrinken, Kirchenvorstandssitzungen, aber auch Treffen der Schützen oder des Heimatvereins finden hier statt. Selbst wenn aus dem großen Raum durch die Trennwand zwei kleinere gemacht werden, bleibt es hell. Die im Erdgeschoss eingerichtete Bücherei, in der auch Familien zu Gast sind, ist ebenfalls gut einsehbar.

Hell und geräumig
Hell und geräumig
Die Küche im Pfarrheim Sudhagen ist nicht nur hell, sondern so groß, dass Marianne Lobbenmeier sich mit ihrem Rollator darin gut bewegen kann.
© Almut Thöring

Dunkle Räume sind Angsträume

Das vor zehn Jahren renovierte Gebäude ist technisch sehr gut ausgestattet: Selbst im Obergeschoss, wo Tanzgruppen proben, Karneval vorbereitet wird oder die Blaskapelle probt und viel Publikum im Haus ist. Überall gibt es Fenster und gute Leuchten in ausreichender Anzahl, Notausgang-Wegweiser sind vorhanden. Im Sinne der Vorbeugung von Missbrauch ist das von großer Bedeutung. Denn dunkle Räume oder Ecken sind häufig auch Angsträume. Besonders für Kinder und Jugendliche, oft auch für Frauen. Das Licht ist in den Toilettenräumen ist sogar mit Bewegungsmeldern gesteuert. In Nebenräumen wie der Küche oder dem Lager für die Sternsinger-Kleidung gibt es Fenster, oft sogar Außentüren mit Glasausschnitt. Lediglich in einem einzigen Raum soll die vorhandene Deckenleuchte durch eine noch lichtstärkere ersetzt werden. „Steht schon auf meiner To-Do-Liste“, sagt Kirchenvorstand Leo Bader. Selbst der weiß getünchte Keller des Pfarrheims ist gut ausgeleuchtet.

Sind froh über die gute technische Ausstattung ihres Pfarrheims
Sind froh über die gute technische Ausstattung ihres Pfarrheims
(von links): Angelika Wiesing, Leo Bader und Andreas Stratmann. Hinweise auf Notausgänge zeigen überall den schnellsten Weg nach draußen.
© Almut Thöring

Weiter gehen die Prüfer über die Sakristei in die Kirche. Das Gebäude aus dem Jahr 1923 ist Ende der 1960er-Jahre erweitert worden. St. Elisabeth ist im Inneren eine sehr helle, freundliche und sehr übersichtliche Kirche. Dass selbst die Kirchenbänke offen gestaltet sind, gefällt vor allem Kindern. Sie können sowohl sitzend als auch stehend alles gut verfolgen, was sich am und um den Altar abspielt. Es geht hoch auf die Orgelempore. Weil sie so eine niedrige Brüstung hat, musste bei der Renovierung ein Edelstahlgeländer aufgesetzt werden. Auch das sorgt für Einblick. Die Lampen der modernen Kirchenbeleuchtung sind vom Dachstuhl auszuwechseln. Der Weg dorthin führt über den innen weiß gestrichenen Glockenturm. Oben angelangt, kann man runter ins Kirchenschiff schauen und hören: Transparenz, so weit das Auge schaut.

In den kirchlichen Räumen in Sudhagen, da sind sich die Prüfenden alle einig, können sich kleine wie große Schutzbefohlene wirklich sicher fühlen.

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