07. Aug 2021

Wie können wir mehr Zeit für den Dienst am Menschen bieten?

Marcel Passon ist Mitglied im Gesamtpfarrgemeinderat des Pastoralverbunds Delbrück-Hövelhof. Er ist dort als Vertreter für die Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk in Hövelhof. In den vier Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit hat er viel gelernt, erlebt und mitgestaltet. „Der Gesamtpfarrgemeinderat ist meiner Ansicht nach für Katholiken das richtige Gremium, um alle Wünsche und Forderungen einzubringen, aber auch Unzufriedenheit vorzutragen oder eigene Ideen für die Kirche von morgen zu formulieren“, sagt der 30-Jährige Ingenieur.

Herr Passon, warum haben Sie sich für die Mitarbeit im GPGR entschieden?
Marcel Passon: Ich war jahrelang Messdiener, später in der Oberrunde der Messdiener aktiv. Dann habe ich da meinen Platz für Jüngere freigemacht und bei der Firmvorbereitung mitgearbeitet. Irgendwann wollte mich wieder stärker ehrenamtlich einbringen. Als ich dann angesprochen wurde, habe ich mich entschieden, mich für die Arbeit im Gesamtpfarrgemeinderat zur Wahl zu stellen. Ohne zu wissen, was genau auf mich zukommt. Ich war einfach neugierig.

Hat Ihr ehrenamtlicher Neustart geklappt?
Marcel Passon: Ja, denn auch andere Mitglieder waren neu dabei. Weil alle erstmal einsteigen mussten, war das ganz entspannt und hatte eine gewisse Leichtigkeit. Heute arbeiten wir, dank guter Unterstützung und Anleitung, strukturiert und in sehr angenehmer, fast familiärer Atmosphäre. Der kurze geistliche Impuls zu Beginn jeder unserer Sitzungen holt einen aus dem eng getakteten Alltag. Da kann ich persönlich mich dann sehr gut auf meine Aufgaben als Christ einlassen.

"Es gibt noch viele Themenfelder,
"Es gibt noch viele Themenfelder,
die wir für die Zukunft des Pastoralverbundes in den Blick nehmen müssen"; meint Marcel Passon aus Hövelhof
© Almut Thöring, Wortart

Was genau erarbeiten Sie im Gesamtpfarrgemeinderat?
Marcel Passon: Neben dem Hauptthema dieser Wahlperiode, der Pastoralvereinbarung, war ein ganz wichtiges Thema die Erarbeitung der neuen Gottesdienstordnung. Ein kniffeliges Thema! Denn es ging darum, wie und wo wir mit geringer werdenden Personal-Ressourcen noch Gottesdienste anbieten können. Da will natürlich jede Kirchengemeinde gleichberechtigt berücksichtigt werden. Aber es muss aber auch bedacht werden, wo wie viele Menschen zu den Gottesdiensten erscheinen oder etwa, dass die Priester zwischen den einzelnen Gemeinden fahren müssen. Das sind nur einige Beispiele von Kriterien, die wir berücksichtigt haben. Wir mussten also für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen.

Und das ist gelungen?
Marcel Passon: Ja, das haben wir gut hinbekommen und, ganz wichtig, die Entscheidung nicht in Stein gemeißelt, sondern von vornherein gesagt, dass wir nach einem Jahr schauen, ob es so richtig waren. Wer also kompromissbereit war und einen Gottesdienst an eine andere Gemeinde abgetreten hat, wusste, dass nach einem Jahr neu verhandelt werden kann. Aber das war gar nicht nötig.


Fallen die Entscheidungen im GPGR immer so einhellig?
Marcel Passon: Wir sind schon unterschiedlicher Meinung. Aber es ist immer eine faire, offene Diskussion, bei der zunächst Argumente ausgetauscht werden. Mir gefällt vor allem, dass wir keine Hierarchie bei uns haben. Anders, als man das von Kirche vielleicht sonst gewohnt ist. Alle Aussagen sind gleich viel Wert. Auch die kleinen Kirchengemeinden wie etwa Lippling oder Espeln werden gehört, und eben nicht nur Delbrück oder Hövelhof. Wir sind aufgerufen, die Erfordernisse den Bedarfen und Bedürfnissen anzupassen. Da geht es immer um Kompromisse. Im Ideenfindungsprozess durchaus nach Alternativlösungen zu suchen, ist spannend.

Welche Aufgaben hat man als Mitglied im GPGR zu übernehmen?
Marcel Passon: Da findet jede Person den eigenen Aufgabenbereich. Es gibt Menschen, die gut in der eigenen Gemeinde verwurzelt sind und dann Bindeglied zum Gemeindeausschuss sein wollen. Andere haben organisatorische Stärken oder wollen sich in konzeptioneller Arbeit einbringen. Ich habe noch immer einen guten Draht zu den Messdienern und der KJG. Wenn ich etwas höre oder, noch besser, angesprochen werde, kann ich mich für sie stark machen. Das ist wichtig: Sobald sich Menschen melden, müssen wir realisieren, dass genau diese Belange wichtig für sie sind. Das müssen wir ins Gremium mit hineinnehmen, besprechen oder bei lokalen Fragen an die Ortsausschüsse weiterleiten und den Menschen Rückmeldung geben.

Welches Thema liegt Ihnen im Pastoralverbund für die Zukunft am Herzen oder halten Sie für besonders relevant?
Marcel Passon: Nachdem wir nun die Pastoralvereinbarung für den großen Pastoralen Raum Delbrück-Hövelhof erstellt haben, geht es künftig sicher noch stärker darum, die Effizienz in der Gemeindearbeit zu verbessern. Wie können wir, also unsere Haupt- und Ehrenamtlichen, unsere begrenzten Ressourcen voll nutzen? Wie können wir mehr Zeit für den Dienst am Menschen bieten? Das müssen wir anpacken! Denn die Verkündigung des Evangeliums, der seelische Beistand und auch ein aktives Gemeindeleben, das macht doch unsere Kirche aus. Außerdem wünsche ich mir, dass die Ortskirchen noch mehr zusammenwachsen. Es gibt so viele gute Aktionen in den einzelnen Gemeinden. Das müssen wir vernetzen und uns gegenseitig teilhaben lassen. Jede und jeder, der möchte, dass die Kirche im Ort lebendig bleibt, muss sich die Frage stellen, ob er oder sie sich nicht einbringen kann, um die Zukunftsgemeinde mitzugestalten.

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