15. Nov 2020

Stattliche Kastanie marode - Nach Fällung Neupflanzung vorgesehen

Hövelhof. Dass Andreas Marxcord bei dieser Nachricht persönlich geknickt ist, nimmt man dem Gärtnermeister sofort ab. In seiner Funktion als Kirchenvorstand muss er mitteilen, dass eine der vier großen Kastanien vor der Hövelhofer Pfarrkirche gefällt werden muss. Der Zahn der Zeit, Klima-Einflüsse und Krankheiten haben sie sprichwörtlich mürbe werden lassen. Sie stellt eine Gefährdung für Fußgänger und Verkehrsteilnehmer dar. Deshalb wird sie in den nächsten Wochen gefällt werden.

Kastanie ist leider nicht mehr zu retten
Kastanie ist leider nicht mehr zu retten
Andreas Marxcord sorgt sich um die Fürsorgepflicht der Kirchengemeinde: Die unmittelbare Nähe zu Kirche und Wochenmarkt, aber auch zum Verkehrsraum mit Fußweg und Schloßstraße, machen die Fällung der kranken Kastanie notwendig.
© Almut Thöring, WortArt

Gut 100 Jahre hat die Kastanie den Vorplatz der Kirche beschattet. „Zweifellos prägen die Bäume unser Ortsbild“, sagt Marxcord, denn „die Menschen sind mit diesen Bäumen alt geworden.“ Dabei ist die unrettbare Kastanie noch ein Youngster. „Rechts neben ihr steht ein gut 300 Jahre altes Exemplar, das zum Glück noch gesund ist.“ Marxcord weiß das so genau, weil er im Auftrag der Kirchengemeinde die Bäume auf Kirchengrund von einem Hövelhofer Fachmann nicht nur hat pflegen, sondern auch untersuchen lassen. „Dieses Gutachten hat dann ergeben, dass die kranke Kastanie, die wir schon seit geraumer Zeit in der Krone mit Baumspanngurten ‚gesichert‘ haben, jetzt unrettbar verloren ist.“

Per Bohrwiderstandsmessung wurde festgestellt, dass die Fäule bereits 16 cm in den Stamm hineinragt. Weil bei einer Probebohrung festgestellt wurde, dass die Kastanie ab einer Tiefe von 32 cm sogar hohl ist, wird das sehr gefährlich. Fußgänger, Wochenmarktbesucher, Kirchgänger, Verkehrsteilnehmer auf der Schloßstraße: Alle könnten betroffen sein, wenn Äste abbrechen oder gar der ganze Baum umstürzt. Denn bei einem Durchmesser von insgesamt 90 cm bedeutet dieser Schädigungsgrad, dass der Stamm sich gerade noch halten kann. Die Baumkrone, wenn Stürme sie erfassen oder sie im Frühling wieder belaubt ist, aber nicht mehr. „Schon gar nicht, wenn Regen die Blätter benetzen und noch einmal beschweren würde“, weiß Marxcord. 

Die Kastanie hat seit vielen Jahren auch eine große Astungswunde. Dieses Loch im Kronenansatz arbeitet ähnlich wie ein kariöses Loch im Zahn. In das Loch dringt Wasser ein statt abzulaufen und höhlt über den Fäulnisprozess den Stamm von innen weiter aus. Das ist ein so ungemütlicher Ort, dass dort nicht einmal ein Tier wohnt. „Das haben wir im Zuge des Artenschutzes natürlich auch überprüft“, so Marxcord weiter. 

Als ob die Schadstelle in der Krone nicht ausreichte, ist die Kastanie auch an ihrem Fuß sehr angegriffen. Die Rinde hat einen Schaden, hinter dem die Fachleute Pilzwurzeln entdeckten. Der Hallimasch hat Spuren bis in 8 Meter Höhe hinterlassen. Seine schwarzen Pfade sind auf der Weißfäule auch für den Laien gut zu erkennen. Obwohl bei der Umgestaltung des Kirchplatzes im Rahmen der Ortskernerneuerung die Kastanien von den ursprünglich eng anliegenden Pflastersteinen befreit wurden, konnte der Patientin nicht mehr geholfen werden. Die Vorschäden sowie die extreme Trockenheit, aber auch der Kastanienschädling, die Miniermotte, haben den Baum zerstört. In den nächsten acht Wochen wird er an einem Tag Stück für Stück von einer Hebebühne aus abgetragen werden. Dafür wird dann auch die Schloßstraße einseitig Richtung Bielefeld gesperrt werden müssen.

Parasitenbefall setzt 100-jähriger Kastanie zu
Parasitenbefall setzt 100-jähriger Kastanie zu
Der Parasitenbefall und die entstandenen Schädigungen am bodennahen Stamm sind deutlich zu erkennen: Die Weißfäule und die schwarzen Linien der Rhizome, wie die Wurzeln von Pilzen genannt werden.
© Almut Thöring, WortArt

„Wir wollen auf jeden Fall eine Neupflanzung vornehmen“, verspricht Andreas Marxcord. Die wird dann allerdings an anderer Stelle erfolgen, damit die drei verbleibenden Kastanien mehr Raum und damit weniger Stress haben. Wir denken, dass die Südseite der Kirche uns genügend Platz bietet für ein bis maximal drei Bäume.“ Es wird ein wenig dauern, bis die jungen Schattenspender ihre Wirkung entfalten. Aber Vögel können sicher schon ganz schnell dort ihre Nester einrichten.

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